25 Jahre nach Tschernobyl
Verstrahlte Früchte aus Osteuropa

Russlands Behörden gelten nicht gerade als informationsfreudig, wenn es um unangenehme Tatsachen geht. Da muss es erstaunen, dass Anatoly Okonchuk vom Moskauer Ausschuss für Lebensmittelsicherheit jüngst öffentlich vor dem Verzehr von verstrahlten Pilzen, Blaubeeren, Brombeeren und weiteren Früchten gewarnt hat. Allein im Juni wurden auf Moskaus Märkten 300 Kilogramm radioaktiv verseuchter Blaubeeren konfisziert, die aus Weißrussland stammen sollen. Leider ist dieses Problem nicht auf Osteuropa beschränkt. Um belastete Früchte ins westliche Ausland verkaufen zu können, werden sie umetikettiert und ein niedrigerer Strahlenwert angegeben. So wurde beispielsweise für eine Ladung Pfifferlinge aus Bulgarien eine Cäsium-Aktivität von 54 Becquerel/Kilogramm (1 Bq = 1 radioaktiver Zerfall/Sekunde) angegeben, die Stichprobenmessung lieferte hingegen einen Wert von 2470 Bq/kg. Andere Stichproben sollen sogar bis zu 8000 Zerfälle pro kg Frischmasse ergeben haben. Wenn EU-Kontrolleure belastete Früchte durch Stichproben entdecken, werden sie in der Regel umdeklariert in ein europäisches Nachbarland geschickt, durch das sie zuvor transportiert wurden. Auf diese Weise können zum Beispiel Früchte mit hoher Radioaktivität von französischen Zollbeamten zurück nach Deutschland geschickt werden, wo sie von ahnungslosen Verbrauchern gekauft und verzehrt werden.
Die neuen Messungen zeigen einmal mehr die Gefahren der Atomkraft auf. Das bei der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1986 freigesetzte radioaktive Element Cäsium 137 hat eine Halbwertszeit von etwa 30 Jahren, das heißt nicht einmal die Hälfte der Radioaktivität ist bis heute abgeklungen. Da nun im Umkreis von bis zu 300 Kilometern des havarierten Reaktors weiterhin angebaut und geerntet wird, ist die Belastung der Früchte entsprechend hoch. Beim Kauf von Pilzen und Beeren im Supermarkt ist also Vorsicht geboten. Man sollte bei Billigangeboten skeptisch sein und am besten ein paar Cent drauflegen und gleich auf Früchte aus Bio-Anbau zugreifen. (DS)
Quelle: www.aktuell.ru
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